J. E. Pétrequin, Lehrbuch der medicinisch-chirurgischen und topographischen Anatomie, Erlangen 1845
(übertragen von E. von Gorup-Besanez)

 

Vorrede des Uebersetzers.

Der von den Uebersetzern in der Vorrede gewöhnlich vorangeschickten Lobeserhebungen ihres Autors glaube ich mich um so eher überheben zu dürfen, als in folgendem Commissionsbericht in klarer, würdevoller Darstellung sowohl die Vorzüge des vorliegenden Werkes, als auch seine Mängel unpartheiisch auseinandergesetzt sind.

Unsere im Allgemeinen so überreiche und zu gleicher Zeit gediegene medicinische Literatur zeigt in Bezug auf Anatomie fühlbare Lücken, und noch immer gelten als die sichersten Führer in dieser so hochwichtigen Wissenschaft die französischen Werke eines Blandin, Velpeau und Malgaigne. Da sich aber nun Pétrequin’s Werk den ebengenannten einerseits unmittelbar anschliesst, anderseits aber ihnen in mancher Beziehung kritisch entgegentritt, und dieser Schriftsteller meines Wissens der erste ist, der bei der Bearbeitung des Gegenstandes nicht wie seine Vorgänger auf Chirurgie allein Rücksicht genommen, sondern auch die innere Heilkunde, gerichtliche Medizin, Physiologie und Geburtshülfe in den Kreis seiner Betrachtungen gezogen hat, wodurch das Werk unstreitig an allgemeiner Brauchbarkeit gewann, -- so halte ich die Uebertragung desselben in unsere Sprache für Billigdenkende hinlänglich gerechtfertigt.

[IV] Ich habe mich bemüht, das Original so genau als möglich wiederzugeben, und mir nur selten Weglassungen, und zwar nur da erlaubt, wo ich es mit offenbaren Wiederholungen des schon früher Gesagten zu thun hatte.

Der von mir hinzugefügten Bemerkungen sind wenige ; eine derselben betrifft eine von Pétrequin nach dem. Erscheinen seines Werks veröffentlichte ihm eigenthümliche Operationsmethode zur Heilung der Cirsocele, die in Frankreich bereits Glück gemacht hat.

Grober Uebersetzungsfehler bin ich mir nicht bewusst, die leider vorhandenen zuweilen sinnentstellenden Druckfehler bitte ich jedoch nicht auf meine Rechnung setzen zu wollen, da ich wegen der Entfernung des Druckortes des Manuscript lieferungsweise einsenden musste, und die Supercorrectur nicht zur Besorgung bekam. Ich schliesse nun mit der Bitte um Nachsicht, deren ich, wie ich. fühle, allerdings bedürftig bin, und welche jene, die wissen, was für mühevolle und wenig lohnende Aufgabe die Uebersetzung eines grösseren Werkes ist, mir hoffentlich nicht versagen werden.

München, 1845.

Der Uebersetzer.