Zeitschrift für Physiologische Chemie, 2. Bd. (1878/79), S. 236-238
 

Eugen von Gorup-Besanez.

Am 24. November wurde der physiologisch-chemischen Forschung ein Mann durch den Tod entrissen, dessen Thätigkeit dieser Wissenschaft und ihrer Lehre mehr als 30 Jahre ununterbrochen gewidmet war und dessen Name in den Annalen derselben unauslöschlich bleiben wird.

Möge es gestattet sein in allgemeinen Umrissen, so weit es eine in wenigen Taten gesammelte Uebersicht seiner Werke und die von Dr. R. Ebrard, Assistenten am chemischen Laboratorium in Erlangen, der Redaktion freundlichst  zugesendeten biographischen Notizen dieselben ergeben, das Leben und Wirken des Mannes zu zeichnen, dessen Verlust wir so tief beklagen.

Eugen Franz Freiherr Gorup von Besanez, Sohn des österreichischen Feldmarschalllieutenants und wirklichen Geheimen Rathes Mathias Gorup von Besanez, ist geboren zu Graz in Steiermark am 15. Januar 1817. Er absolvirte seine Gymnasialstudien in seiner Vaterstadt Graz und in Klagenfurt, studirte mit grossem Eifer Medicin an den Universitäten Wien, Padua, München, bestand alle medicinischen Examina mit Auszeichnung und widmete sich von 1843 an speciell physiologisch-chemischen Arbeiten zuerst im Laboratorium des Hofraths Buchner und dessen Sohn L. A. Buchner in München.

Im Jahre 1846 habilitirte er sich als Docent der Chemie an der Universität Erlangen, wurde daselbst im Jahre 1849 zum ausserordentlichen, 1855 zum ordentlichen Professor der Chemie ernannt und hat dieser Universität bis zu seinem Tode angehört. Im Wintersemester 1846-1847 hielt er seine ersten Vorlesungen. Bei seiner Habilitation handelte sein Vortrag: „Ueber das richtige Verhältnis der organischen Chemie zur Physiologie und Pathologie.“

Seine Habilitationsschrift: „Untersuchungen über Galle, Erlangen 1846“ eröffnete eine Reihe schnell auf einander folgender analytischer Specialuntersuchungen in den verschiedenen Gebieten der physiologischen Chemie, die ihn befähigten, das Bereich dieser Forschungen so vollständig zu beherrschen, dass er schon 1850 eine Anleitung zur qualitativen und quantitativen zoochemischen Analyse herausgeben konnte, ein Werk, welches dann den Fortschritten der Wissenschaft entsprechend umgearbeitet, mehrere Auflagen erreicht und allgemeine Anerkennung gefunden hat. Im Zusammenhange mit seinen später herausgegebenen allgemein geschätzten Lehrbüchern der anorganischen und organischen Chemie, von denen das erste bereits 6, das andere 5 Auflagen erfordert hat, erschien zuerst im Jahre 1862 als 3. Theil dieses Werkes sein umfassendes Lehrbuch der physiologischen Chemie, von dem erst vor Kurzem in diesem Jahre die 4. Auflage in die Hände des Publikums gelangt ist und ein beredtes Zeugniss gibt von der grossen Umsicht und der nicht ermüdenden Arbeitskraft des Verfassers. Es ist dies Werk so allgemein verbreitet und geschätzt, dass es überflüssig wäre, zu seinem Lobe etwas so sagen; seit seinem ersten Erscheinen hat es die erste Stelle als Lehrbuch der physiologischen Chemie behauptet.

Neben dieser anstrengenden literarischen Thätigkeit hat Gorup-Besanez noch Zeit gefunden zu zahlreichen Originaluntersuchungen, von denen die grösste Zahl die Physiologie betreffen. Gern scheint er da stets zurückgekehrt zu sein zur Weiterbearbeitung von Fragen, denen er früher bereits eingehendes Studium gewidmet hatte. So hat er wiederholt die Untersuchung der Gallenbestandtheile, der verdauenden Fermente in Pflanzen, ganz besonders der Entstehung des Ozons und seiner Einwirkung auf die verschiedenen organischen Stoffe von Neuem begonnen und weitergeführt, und wir verdanken seinen Arbeiten wichtige Aufschlüsse über die Entstehung von Ozon bei Wasserverdunstung und über die Einwirkung dieses Körpers für sich allein oder bei Gegenwart von Alkali auf die hauptsächlichsten Stoffe, aus Denen der thierische Organismus zusammengesetzt ist. Offenbar war es wieder das Streben, die physiologisch-chemischen Vorgänge zu ergründen, welches ihn zu diesen fortgesetzten Arbeiten bewog.

Von der grossen Bedeutung der Chemie für eine erfolgreiche Weiterführung medicinischer Forschungen und der Nothwendigkeit gründlicher chemischer Studien für das Verständniss der Lebensvorgänge tief überzeugt, war er stets eifrig bemüht, die chemischen Kenntnisse der Aerzte zu vermehren und das wissenschaftliche Fortschreiten der Physiologie und Pathologie zu fördern.

Die Gründung dieser Zeitschrift begrüsste er mit warmen Worten und sprach seine volle Zustimmung zu dem Programme derselben aus.

Am 20. November war Gorup-Besanez bis Abends 5 Uhr im Laboratorium in gewohnter Weise thätig, dann einige Zeit im Lesezimmer beschäftigt; darauf nach Hause zurückgekehrt wurde er an der Seite seiner Gattin sitzend von einem Schlagfluss befallen, der ihm sofort die Besinnung raubte und am 24. November Morgens 7 Uhr seinem thätigen Leben ein Ende setzte. Ein langer Zug Leidtragender folgte dem Sarge am 26. November 10 Uhr; man begrub einen liebenswürdigen Menschen, einen guten Patrioten, einen vortrefflichen Lehrer, einen geistvollen unermüdlichen Forscher.