Verhandlungen der physikalisch-medicinischen Societät zu Erlangen, Heft 2 (1869), S. 44-46

 

Sitzung vom 28. Februar 1870.

Herr Prof. von Gorup-Besanez

besprach die grosse Bedeutung der von Bunsen kürzlich angegebenen Filtrationsmethode mittelst der Wasserluftpumpe und mittelst Verdünnung der unterhalb der Trichtermündung befindlichen Luftsäule und verknüpfte damit die Demonstration des genannten Verfahrens. Derselbe macht hierauf Mittheilung von den Resultaten, welche

Herr Grimm

in des Vortragenden Laboratorium bei seinem

Studium der gemischten Ketone

erhalten hat. <45>

Durch Destillation eines Gemisches von gleichen Mol. Calciumacetat und Calciumbutyrat erhielt er das Methylpropylketon

  {  

CH3

CO

C3 H7

welches schon früher in nicht ganz reinem Zustand als Propionon beschrieben war und führte dieses Keton durch Wasserstoff in statu nascendi (mittelst Natrium) in den Pseudoalcohol

  {  

CH3

CH2 CH

C3 H7

über. Leider war die Ausbeute eine so geringe, dass dadurch der Fortsetzung und  Ausdehnung der Untersuchung ziemlich enge Grenzen gesteckt wurden.

Von besonderem Interesse schien es, die gemischten Acetone der Fettsäuren mit hohem Kohlenstoffgehalt darzustellen und namentlich war es des Versuches werth, ein Gemenge von gleichen Mol. caprin- und essigsauren Kalks der Destillation zu unterwerfen; es konnte nämlich auf diesem Wege synthetisch Rautenöl gewonnen werden, welches nach seinen Umsetzungen als Methyl-Pelargylketon oder als Methyl-Caprinyl betrachtet wird:

C11 H22 O

  =  

  {  

CH3

CO

C9 H19

Die Umsetzung könnte nach der Formelgleichung

  {  

CH3

COO

Ca2 CO5

  +  

  {  

CH3

 

Ca

  =  

CO

  {  

Ca

C9 H19

COO

C9 H19

vor sich gehen und wäre das Product derselben in der That dann Rautenöl. <46>

Die Schwierigkeit, Caprinsäure in grösserer Menge zu erhalten, wurde glücklicherweise durch die Beschaffung eines ausgezeichneten Darstellungsmaterials, ungarischen Weinfuselöls, welches der Herr Vortragende der Freundlichkeit eines früheren Assistenten am hiesigen chemischen Laboratorium Dr. Schmitt in Pest verdankt, gehoben. Herr Grimm hat daraus reichliche Mengen reiner Caprinsäure erhalten, neben diesen aber auch noch erhebliche Mengen von Caprylsäure. Zum Zweck der Darstellung wurde der über 140° siedende Theil des Fuselöls mit Natronlauge gekocht, die sich absondernde ölige Schichte entfernt und die Seife mit verdünnter Schwefelsäure zersetzt. Das dadurch erhaltene Gemenge von Fettsäuren wurde in verdünntem Ammoniak gelöst und durch Chlorbarium gefällt. Das Barytsalz wurde ausgepresst, wieder zersetzt, die Säuren mit kohlensaurem Natron verseift, durch Salzsäure abgeschieden, und nachdem sie noch gewaschen und getrocknet waren, der fraktionirten Destillation im Kohlensäurestrom unterworfen.

Darüber, in wie fern der Erfolg die Voraussetzung der Synthese des Rautenöls bestätigt, hofft der Herr Vortragende in der nächsten Sitzung berichten zu können.

Der Vortragende zeigt hierauf mehrere, auf obige Untersuchung bezügliche Präparate vor: nämlich Caprinsäure, caprinsaure Salze, Caprysäure, und Weinfuselöl, sowie mehrere von Herrn Schreiner dargestellte Harnsäurederivate.