Verhandlungen der physikalisch-medicinischen Societät zu Erlangen, Heft 2 (1869), S. 22-24

 

Sitzung vom 8. Februar 1869.

Herr Prof. v. Gorup-Besanez

trägt Folgendes über eine Untersuchung vor, welche er in seinem Laboratorium in Gemeinschaft mit Herrn v. Rad über die

Darstellung des Phloron aus Buchenholztheer

angestellt hat.

Wenn man rheinisches Buchenholztheerkreosot jener Sorte, welche vorwiegend Kreosot enthält, mit der 1 ¼-fachen Gewichtsmenge concentrirter Schwefelsäure vermischt, das Gemisch, welches alsbald eine dunkelrothe Färbung annimmt und sich verdickt, 24 Stunden lang stehen lässt, sodann mit dem 6fachen Volumen Wasser und der <23>  1 ½-fachen Gewichtsmenge Braunstein in einer Retorte allmählich und gelinde erwärmt, so tritt alsbald eine ziemlich heftige Reaktion ein, die sich durch starke Erhitzung den Gemisches und feinblasige Gasentwicklung zu erkennen giebt. Die Erscheinungen verlaufen überhaupt genau so, wie bei der Darstellung des Phlorons aus den bei 190° — 220° C. siedenden Antheilen des Steinkohlentheerkreosots; es destillirt ziemlich rasch eine stark gelb gefärbte Flüssigkeit, aus welcher sich bald gelbe Krystalle und erstarrende ölige Tröpfchen abscheiden, während sich die Kühlröhre des Destillationsapparates mit gelben langen nadelförmigen Krystallen erfüllt. Nach beendigter Einwirkung sammelt man die Krystalle sorgfältig und schüttelt das gelbe Destillat so lange mit Aether aus, als sich derselbe noch gelb färbt. Nach dem Abdestilliren des Aethers scheidet sich nun eine weitere Parthie der gelben Krystalle aus. Die vereinigten Krystalle abgepresst und aus Alkohol umkrystallisirt, zeigen alle Eigenschaften des Phlorons.

Sie stellen goldgelbe schiefe rhombische Säulen dar, entwickeln beim Erwärmen einen durchdringenden, Augen und Schleimhäute angreifenden Geruch, sublimiren, stärker erhitzt, unzersetzt, sind aber auch schon bei gewöhnlicher Temperatur flüchtig. In kaltem Wasser sind sie wenig, reichlich dagegen in kochendem Wasser löslich. Alkohol und Aether lösen sie ebenfalls sehr leicht. Ihre Lösungen färben die Haut intensiv braun. Verdünnte Salpetersäure löst sie zu einer gelben Flüssigkeit, concentrirte Salzsäure löst sie beim Kochen ebenfalls; aus der braunen Lösung scheiden sich beim Erkalten weisse Krystalle aus (Chlorhydrophloron), mit festem Kali liefern sie eine grüne Masse, schweflige Säure entfärbt sie sofort, Eisench1orid endlich bewirkt eine braune Färbung.

Diese Eigenschaften sind aber diejenigen des Phlorons, welches Rommier und Builhon aus den bei 195° bis 220° überdestillirenden Antheilen des Steinkohlentheerkreosots durch Behandlung mit Branntwein und Schwefelsäure erhielten. Der eine von uns konnte  die Angaben <24> von Rommier und Bouilhon durchweg bestätigen und ist mit einem genauen Studium des aus Steinkohlentheerkreosot dargestellten Phlorons gegenwärtig beschäftigt. Derselbe constatirte, dass man Phloron auch aus den von 198° bis 200° C. übergehenden Parthieen (Kreosol) erhält.

Die Elementaranalyse des aus Buchenholztheerkreosot dargestellten Phlorons gab mit den berechneten sehr nahe übereinstimmende Werthe:

0,252 Grm. Substanz gaben 0,6514 Grm. Kohlensäure und 0,1408 Grm. Wasser. Dies giebt

  berechn.

  gefunden.

C8

    96

70,58

70,49

H8

8

5,88

6,17

O2

32

23,54

23,34

 

136

100,00

100,00

Das von Einem von uns aus Buchenholztheerkreosot bei der Behandlung mit chromsaurem Kali und Salzsäure erhaltene Tetrachlorkreoson C8 H4 Cl4 O2 ist seiner Zusammensetzung nach isomer mit Tetrachlorphloron, ob es damit, wie nicht unwahrscheinlich, identisch, müssen weitere Versuche lehren, ebenso, ob das hauptsächlich Guajacol enthaltende Buchenholztheerkreosot den bisher unbekannten Homologen des Chinons und Phlorons C7 H6 O2 liefert.