Verhandlungen der Physicalisch-medicinischen Societät zu Erlangen, Heft 2, S. 14-16
Annalen der Chemie und Pharmacie, 147 (1868), S. 247-249
Zeitschrift für Chemie 4 (1868), S. 392-393

 

Sitzung vom 9. Februar 1868.

Herr Prof. v. Gorup-Besanez

berichtet über eine jüngst im hiesigen Laboratorium vorgekommene Nitroglycerinexplosion von höchst zerstörenden Wirkungen und warnt vor unvorsichtigen Versuchen mit diesem Körper, der namentlich bei feiner Vertheilung und raschem Erhitzen mit einer Gewalt explodire, die derjenigen des Chlorstickstoffes mindestens gleichkomme.

Ferner zeigt Prof. v. Gorup eine ansehnliche Quantität Thalliummetall nebst verschiedenen Thalliumpräparaten vor, welche er der Güte des Herrn Dr. Carstanjen von Berlin verdankt und knüpft daran einige Bemerkungen über Thallium und Thalliumverbindungen.

Er demonstrirt sodann die Anwendung des Cyanins als empfindliches Reagens auf Säuren und erläutert schliesslich ein Modell zur Versinnlichung der Valenz der Elemente und zur Versinnlichung der sogenannten Structurformeln. Redner demonstrirt daran die Kekulé'sche Hypothese von der Structur des Benzols und seiner Derivate.

Prof. v. Gorup-Besanez

berichtet sodann über die von ihm ausgeführte

Synthese des Guajacols.

<15> Wenn man ein Gemisch von gleichen Molecülen Oxyphensäure (Brenzkatechin), Kalihydrat und methylschwefelsaurem Kalium 8 - 10 Stunden lang im zugeschmolzenen Rohre auf 160° - 170° C. erhitzt, so erhält man eine von harten weissen Krystallen durchsetzte, bräunliche, halbflüssige Masse. Beim Oeffnen des Rohrs macht sich nur sehr schwacher Gasdruck bemerkbar, aber in ganz unzweideutiger Weise der so charakteristische angenehme aromatische Geruch des Guajacols. Behandelt man den Röhreninhalt mit Wasser, so nimmt dieser beim Erwärmen die weissen Krystalle, welche nichts weiter wie schwefelsaures Kalium sind, auf, und es setzt sich ein bräunlich gefärbtes Oel zu Boden von allen Eigenschaften des Guajacols. Von beigemengter unzersetzter Oxyphensäure durch wiederholtes Waschen mit Wasser befreit, färbt sich seine weingeistige Lösung mit Eisenchlorid prachtvoll grasgrün und seine ätherische Lösung erstarrt mit einer concentrirten alkoholischen Kalilösung zu einem Krystallbrei von Guajacol-Kalium.

Leider waren die Mengen des erhaltenen Guajacols, es standen Redner kaum 8 Grm. Oxyphensäure zu Gebote, zu geringe, um an eine genaue Siedepunctsbestimmung und an eine vollständige Analyse denken zu können, doch ist es ihm gelungen, so viel reines Guajacol-Kalium zu erhalten, um eine Kaliumbestimmung damit vorzunehmen.

0,2086 Grm. Guajacol-Kalium gaben 0,0596 Grm. schwefelsaures Kalium = 0,0268 Kalium. Diese entspricht 12,84 Proc. Kalium, während sich für saures Guajacol-Kalium: (C7 H7 KO2 ,  C7 H8 O2 + H2 O9) 12,88 Proc. berechnen.

Demnach kann kaum bezweifelt werden, dass das Oel wirklich Guajacol ist und der Vorgang glatt nach folgender Formelgleichung verläuft:

C6 H6 O2 + KHO + CH3 KSO4 = C7 H8 O2 + K2 S04 + H2 O ;

demnach vollkommen analog der von Cahours verwirklichten Synthese des Anisols durch Destillation von Phenol-Kalium mit methylschwefelsaurem Kalium und völlig <16> entsprechend der Theorie, welche das Guajacol als Oxyphensäure-Monomethyläther:

C6 H4

  {

O CH3

O H

auffassen muss.