Herr Prof. v. Gorup-Besanez.

Zur Kenntniss des Kreosots.

Aus dem ächten aus Buchenholztheer bereiteten Kreosot habe ich vor Jahren bei der Einwirkung von chlorsaurem Kali und Salzsäure sehr schöne krystallisirte Chlorsubstitutionsproducte erhalten, in grösster Menge aber eines, dessen Zusammensetzung der Formel C26 H6 Cl6 O6 entsprach. <46>

Gerhardt schlug in seinem Traité de chimie organique für dieses Product die Formel C16 H4 Cl4 C4 vor, wodurch dasselbe zu einem Homologen der gechlorten Chinone werde, mit denen es so grosse Aehnlichkeit zeigt.

Eine günstige Gelegenheit, welche sich mir darbot, ächtes, von dem Vereine für chemische Industrie in Mainz in den Handel gebrachtes Buchenholztheerkreosot zu untersuchen, benützte ich in der Absicht, die Untersuchung der chlorhaltigen Körper wieder aufzunehmen. Diess schien nämlich um so dringender geboten. als nach den Untersuchungen von Hlasiwetz der Hauptbestandtheil des Buchenholztheerkreosots ein Oel von der Formel C16 H10 O4 wäre, zu welchem C16 H4 ClO4 in naher Beziehung stehen würde.

Die Untersuchung des rheinischen Buchenholztheerkreosots ergab, dass bei der Behandlung desselben mit chlorsaurem Kali und Salzsäure, zwei einander sehr ähnliche, goldgelbe, goldglänzende, krystallisirte Producte erhalten werden. Das durch Umkrystallisiren aus Alcohol und wiederholte Sublimation gereinigte Product ist ein Gemenge der zwei Homologen:

C14 H2 Cl4 O4
und O16 H4 Cl4 O4

welche durch Behandlung mit Chloroform, worin der Körper C14 H2 Cl4 O4 bei gewöhnlicher Temperatur unlöslich ist, während die Verbindung C16 H4 Cl4 O4 sich darin löst, ohne Schwierigkeit getrennt werden können.

Aus dem Verhalten des rheinischen Buchenholztheerkreosots ergab sich weiterhin, dass es mit dem Guajacol, einem Gemenge der Vorbindungen C14 H8 O4 und C16 H10 O4, die grösste Uebereinstimmung zeigt. Sind aber die Hauptbestandtheile des rheinischen Kreosots die Verbindungen C14 H8 O4 und C16 H10 O4, so lassen sich daraus die den gechlorten Chinonen homologen chlorhaltigen Producte ohne Schwierigkeit ableiten:

C14 H8 O4 + 10 Cl = C14 H2 Cl4 O4 + 6 H Cl
C16 H10 O4 + 10 Cl = C16 H4 Cl4 O4 + 6 H Cl

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Diese Erfahrungen liessen mir es sehr plausibel erscheinen, dass das von mir früher erhaltene Chlorsubstitutionsproduct des böhmischen Kreosots, das Hexachlorxylon C26 H6 Cl6 O6 ein Gemenge der Verbindungen

C16 H4 Cl4 O4
C18 H4 Cl4 O4

gewesen sein mochte, was nun um so wahrscheinlicher erschien, als für ein derartiges Gemenge zu gleichen Aequivalenten sich mit den gefundenen sehr gut stimmende Zahlen berechnen. Leider gebrach es mir an Material zur Erledigung der Frage. Aber Hlasiwetz war so freundlich, mir seine Präparate zu überlassen und die damit angestellten Versuche stellten die Richtigkeit der Vermuthung ausser Zweifel. Durch Behandlung mit Chloroform liess. sich auch hier eine Trennung bewerkstelligen und das Hexachlorxylon erwies sich als ein Gemenge der Verbindungen C18 H6 Cl4 O4, C16 H4 Cl4 O4 und wahrscheinlich einer sehr geringen Menge von C14 H2 Cl4 O4.

Die Frage über die Constitution des Buchenholztheerkreosots scheint nun erledigt.

Das Buchenholztheer ist, wie es schon Hlasiwetz vermuthungsweise aussprach, ein Gemenge verschiedener homologer Oele, und namentlich der Verbindungen C14 HO4, C16 H10 O4 und C18 H12 O4, Verbindungen, welche sich von denen der Phenolreihe durch + 2 O unterscheiden. Welche Glieder der Reihe in dem als Kreosot bezeichneten Rohproducte vorwalten, mag von der Temperatur, bei der man destillirt, von der Qualität des Holzes und vielleicht auch von der Dauer der Behandlung mit Kali abhängig sein.