Herr Prof. v. Gorup-Besanez

spricht

über eine neue phosphorhaltige Säure.

Bei der Einwirkung von Phosphorchlorür auf Cholsäure: C48H40O10, - findet eine von mässiger Wärmeentwicklung begleitete Reaction statt; es entweicht Salzsäure, die Cholsäure löst sich allmählich auf und nach Beendigung der Einmischung fällt beim Vermischen der dicklichen Flüssigkeit mit Wasser, eine weisse harzige Masse heraus. Mit Wasser zum Kochen erhitzt, schmilzt dieselbe, entwickelt einen an Phosphorwasserstoff erinnernden Geruch und erstarrt heim Erkalten zu einer grauweissen, zerreiblichen Masse. Dieselbe wurde mit erneuertem Wasser so lange ausgekocht, als das letztere noch deutlich sauer reagirte, dann in der <14> Wärme in kohlensaurem Natron gelöst, wobei starkes Aufbrausen stattfand und sich abermals der Geruch nach Phosphorwasserstoff entwickelte. Aus der gelben filtrirten Lösung fiel beim Uebersättigen mit Salzsäure ein weisser körnigflockiger Niederschlag heraus, der auf einem Filter gesammelt und mit Wasser völlig ausgewaschen wurde. Derselbe wurde durch wiederholtes Lösen in Soda und Fällen mit Salzsäure, sowie durch Behandlung mit Aether weiter gereinigt und ist eine neue phosphorhaltige Säure; getrocknet stellt sie ein weisses, staubendes Pulver dar von schwach bitterlichem Geschmack, ohne Geruch, unlöslich in Wasser, löslich in Alcohol und Chloroform, wenig in Aether. Beim Erhitzen auf Platinblech schmilzt sie, bräunt sich, fängt Feuer und verbrennt mit dicker, weisse Dämpfe verbreitender, grüngesäumter Flamme. Es bleibt eine schwer verbrennliche, stark sauer reagirende, phosphorsäurehaltige Kohle zurück.

Die Säure krystallisirt zu erhalten, gelang bisher nicht; aus ihren alkalischen Lösungen fällt sie beim Uebersättigen mit Salzsäure in Gestalt eines körnig-flockigen Niederschlags heraus, der unter dem Mikroscop feine, stark lichtbrechende Körnchen darstellt. Die Säure verbindet sich nur mit Alkalien zu löslichen Verbindungen, während die Verbindungen mit schweren Metalloxyden unlösliche Niederschläge darstellen.

Mit Zucker und Schwefelsäure gibt die Säure die Gallenreaction.

Mehrere Analysen der Säure gaben Zahlen, die sich der empirischen Formel

C144 H114 P2 O30

nähern und die Richtigkeit dieser Formel, die aber vorläufig noch nicht genügend gewährleistet ist, vorausgesetzt, könnte der Vorgang nach folgender Formelgleichung erfolgen:

3 (C48H40 O10) + 2 P Cl3 = C144H114P2O30 + 6HCl

Einen mit dem Protagon und Myelin sehr verwandten phosphorhaltigen neutralen Körper habe ich ferner durch <15> Einwirkung von Phosphorchlorür auf Cholesterin erhalten.

Ueber alle diese Körper hoffe ich später vollständigere Mittheilung machen zu können.