Uebersicht
Gorup an Pettenkofer 20-Jun-1866

Erlangen. 20. Juni 1866

Hochverehrter Herr College !

Glauben Sie, dass die wesentlichen Theile Ihres Respirationsapparates sich in 1 oder 2 in den Text einzuschaltenden Holzstichen eines gr. 8° Werkes darstellen liessen ?

Es schiene mir sehr angemessen, in meiner physiologischen Chemie eine solche Darstellung zu bringen um den Aerzten, welche den Apparat nicht aus eigener Anschauung kennen und sich in die ausführliche Beschreibung wie Sie solche in den Annalen lieferten nicht hineinarbeiten können oder wollen, von der Sache einen Begriff zu geben und, falls Sie meine Frage zu bejahen in der Lage wären, wollten Sie wohl die Güte haben, die nöthigen Zeichnungen für mich in München auf meine Rechnung anfertigen zu lassen ?

Zweite Frage: Enthält der Vortrag, den Sie im Jahre 1864 in der Akademie über die Ernährung des Hundes (Sitzungsber. 1864. II. S. 91) hielten, anderweitig noch nicht veröffentlichte Thatsachen oder sind es die in den Annalen, Suppl. II niedergelegten; wo kann ich endlich den Vortrag in ausführlicher Mittheilung finden ?

Gestatten Sie mir endlich noch eine Mittheilung meine Function als Beisitzer des hiesigen Medicinal-Comité anlangend zu machen. Sie erinnern sich, dass in meinem Strausse mit der Ansbacher Regierung das Ministerium dahin entschied, dass mir die beiden strittigen Liquidationen ohne die verlangte Erklärung auszubezahlen seien, für alle zukünftigen Fälle aber die bemerkte Erklärung beizubringen sei. Zugleich wurde mir mitgetheilt, dass eine beschleunigte Erledigung der eingereichten Liquidationen angeordnet sei. Eine dieser fraglichen Liquidationen erhielt ich richtig bald darauf ausbezahlt, die andere nun über 1 1/2 Jahre alt bis auf den heutigen Tag nicht. Eine Anfrage beim Untersuchungsrichter hatte die Erklaerung des Nürnberger Rentamts zur Folge, dass die fragliche Liquidation von der Regierung vor Jahresfrist (waehrend des Streites) als vorlaeufig auf sich beruhend erklärt worden und ausser [...] gesetzt sei.

Eine vor nun 6 Wochen darüber gemachte Eingabe den Sachverhalt darstellend an das Ministerium meinerseits ist bis heute nicht erledigt. Diese ganze leidige Geschichte ist kein brillantes Blatt in der Art wie verwaltet wird. Ich werde nun noch einmal die Angelegenheit in Erinnerung bringen, wenn wieder vergeblich, so wird mir wohl kaum etwas Anderes übrig bleiben, als meine Enthebung zu verlangen. Verzeihen Sie, dass ich Sie mit meinen persönlichen Angelegenheiten behelligte aber ich denke, dass die Geschichte für Sie als Mitglied des Obermedicinalausschusses auch nicht ohne Interesse sein werde, da Sie daraus ersehen, wie allerhöchste Anordnungen zur Ausführung gelangen.

Mit der Bitte, mir über die beiden ersten Fragen so bald wie thunlich, den gewünschten Aufschluss zu geben und der Versicherung aufrichtigster Hochachtung

Ihr ergebenster College Gorup