Uebersicht
Gorup an Pettenkofer 11-Feb-1866

Erlangen 11. Februar 1866

Hochverehrter Herr College !

Für die Uebersendung der Fragen meinen besten Dank; sie stimmen mit dem was ich nach gemeinschaftlicher Verabredung in meinen Vorlesungen gab, beinahe vollständig überein. Nur über medicinische Statistik und Biostatistik habe ich für dies mal nichts in meine Vorlesungen aufgenommen und werde daher auch die dahin zielende Frage weglassen. Das nächste Mal werde ich das Colleg 4 mal wöchentl. lesen. Es hat mir viel Mühe gemacht aber es macht mir auch Vergnügen und wird gern gehört. Ich habe etwa 20 inscribirt. Ein rentables Unternehmen ist es daher nicht, denn das Honorar wird voraussichtlich zwischen 80 - 90 fl. betragen, während an Büchern und Instrumenten ich auf meiner Seite bis jetzt schon mindestens für 50 fl. angeschafft habe.

Für Ihr und des Obermedicinalausschusses Votum in meiner Angelegenheit meinen herzlichsten Dank. Die Sache ist so erledigt, wie Sie mir voraussagten und ich habe mich im Interesse der Sache dabei beruhigt.

Ihren Artikel über Luftheitzung habe ich seiner Zeit in Dingler's Journal gefunden. Die Kohlensäurenbestimmungen mache ich jetzt immer mit Barytwasser; mit Kalkwasser nach Ihrer älteren Methode fielen sie mir immer etwas zu hoch aus. Ich erhielt für freie Luft 0,05 - 0,06 p. Ct. statt 0,038 - 0,040, welche Zahlen ich mit Barytwasser erhielt.

Dass Sie bei Erlangen jeder Zeit nur eben vorbeifahren, ist allerdings für mich nicht besonders ermuthigend, wir sind es aber gewohnt von allen bei uns vorbeifliegenden Collegen nur das Nachsehen zu haben. Vielleicht finden Sie doch einmal ein paar Stunden für mich heraus. Ihre Artikel über die sächsischen Epidemien habe ich mit dem grössten Interesse in der allgemeinen Zeitung gelesen, die ich mir halte. Für Extraabdrucke würde ich aber demungeachtet seiner Zeit dankbar sein. Ich beabsichtige hier mit Grundwasserbeobachtungen demnächst zu beginnen, wollten Sie mir wohl hierüber Directiven zukommen lassen, damit die Untersuchungen nach einem einheitlichen Plan gemacht werden. Es ist übrigens zu bemerken, dass unser Grundwasser wenig prächtig ist und wegen der Beschaffenheit des Bodens (feiner Geröllsand) durch das Pumpen so wesentlich und nachhaltig influirt wird, dass das Tieferlegen eines Brunnens bei dem jetzigen aber [?] zu niedrigen Grundwasserstande die Folge hat, dass benachbarte Brunnen gar kein Wasser mehr geben. Ich wollte Sie saehen überdiess unsere Erlanger Wasser-Verdampfungsrückstaende !

Was die Desinfection anbelangt, so halte ich nach meiner Erfahrung den Eisenantheil für ausgezeichnet; dass Manganithrein [?] sich wie Eisenvitriol verhalten wird, muss man wesentlich [?] voraussetzen, Erfahrung besitze ich darüber nicht, doch kann es der Natur der Sache nach nur locale Bedeutung beanspruchen. Schwefel[...] [...] riecht nach Ibersapictisat [?] -- und der Rest ist Schweigen. Ich bin vor Kurzem in Ansbach in grosse Verlegenheit gekommen, als ich die Wirksamkeit dieses Desinfectionsmittels erklären sollte.

Schliesslich noch eine kleine Bitte: Ich bin gegenwärtig mit der Bearbeitung der zweiten Auflage meiner physiologischen Chemie beschäftigt. Es wäre mir sehr erwünscht, wenn Sie und Voit, dem ich mich bestens zu empfehlen bitte, mir alle Ihre Arbeiten auf diesem Gebiethe aus dem Jahre 1865 zukommen liessen, damit ich sie benutzen kann. Die Artikel "Die Gesetze der Zersetzung der stickstoffhaltigen Stoffe in Thierkörpern" von Voit habe ich von ihm bereits erhalten.

In aufrichtiger Verehrung

Ihr ergebenster Coll. Gorup