Berichte der Chemischen Gesellschaft, 1878, S. 2163

 

[Protokoll der] Sitzung vom 9. December 1878.

Vorsitzender Herr C. Liebermann, Vice-Präsident.

 

Der Vorsitzende macht von dem am 24. November d. J. erfolgten Hinscheiden des Prof. Dr. v. Gorup-Besanez in Erlangen Mittheilung und verliest darauf die folgenden, von Herrn E. v. Gerichten eingesendeten Notizen über den äusseren Lebenslauf des Verstorbenen.

„Professor Dr. E. Freiherr von Gorup-Besanez wurde am 15. Januar 1817 in Graz als der Sohn des k. k. österreichischen Feldmarschall-Lieutenants und wirklichen geheimen Raths von Gorup geboren. Er besuchte das Gymnasium in Graz und bezog 1836 die Universität Wien. Nach zwei Jahren ging er von Wien für ein Semester nach Padua und im Frühjahre 1839 nach München. Dort machte er 1842 das medicinische Examen pro gradu, promovirte in München, ging auf kurze Zeit nach Wien und dann nach Bamberg, wo er Ende des Sommersemesters 1843 die Proberelation, ebenfalls ein Examen für Mediciner, mit Auszeichnung bestand. Von 1848 an beginnen von Gorup's chemische Studien und zwar zunächst im pharmaceutisch-chemischen Laboratorium in München unter der Leitung von Hofrath Buchner und von dessen Sohne, dem damaligen Privatdocenten L. A. Buchner. Im Herbste 1844 machte Gorup-Besanez mit glänzendem Erfolge den Staatsconcurs für Aerzte ebenfalls in München. 1846 habilitirte er sich an der Universität Erlangen und zwar in der medicinischen Facultät, wurde im April 1849 ausserordentlicher Professor der organischen Chemie und am 18. Mai 1855 an derselben Universität ordentlicher Professor der Chemie und zwar in der philosophischen Facultät. In dieser Stellung blieb er, nachdem er 1873 einen ehrenvollen Ruf nach Wien abgelehnt hatte, ununterbrochen bis zu seinem Tode. Am 20. November dieses Jahres traf ihn, ohne dass er sich vorher unwohl gefühlt hätte, ein schwerer Schlaganfall, und er verschied, ohne wieder zum Bewusstsein gekommen zu sein, am 24. November, Morgens 7 Uhr.“

„Der Verstorbene“, fährt der Vorsitzende fort, „hat lange Zeit der Gesellschaft als Mitglied angehört und ist wiederholt in den Vorstand derselben gewählt worden; er war in den weitesten Kreisen, namentlich auch durch seine in vielen Auflagen erschienenen, vortrefflichen, kurzen Lehrbücher der anorganischen, organischen und physiologischen Chemie bekannt. Eine grosse Reihe selbständiger Forschungen auf dem Gebiete der reinen wie der physiologischen Chemie sichert ihm ein dauerndes Andenken unter seinen Fachgenossen.“

Die Versammlung ehrt das Andenken des Dahingeschiedenen durch Erheben von den Sitzen.

 

<es folgen die normalen Geschäfte>