Berichte der dt. chem. Gesellschaft, Jahrgang V (1872), Seiten 47-48
Sitzung vom 22. Januar 1872 [= No. 18, eingegangen am 30. Januar 1872]

 

E. v. Gorup-Besanez:

Bemerkungen zu Hrn. Flückiger's Mittheilungen über das Vorkommen des Pyrokatechins im Kino.

Zu meiner Verwunderung las ich in dem mir vor Kurzem zugegangen Hefte No. 1, 1872, dieser Berichte [= Seiten 1-4], dass Hr. Flückiger gelegentlich der Erwähnung meiner Notiz über Brenzcatechin in der lebenden Pflanze (1) sich dahin ausspricht, ich habe mich darin der Vermuthung Eisfeldt's, wonach Brenzkatechin erst bei der Darstellung des Kino in hoher Temperatur entstände, angeschlossen und ich erblickte einen weiteren Grund gegen die Präexistenz des Brenzkatechins in den verschiedenen Kinosorten darin, dass Eisfeldt vermittelst Aethers dem. Buteakino kein Brenzkatechin entziehen konnte.

Alles dies beruht auf einem Missverständnisse, welches kaum eine andere Erklärung zulässt, wie die, dass Hr. Flückiger meine Notiz nur sehr flüchtig durchgelesen hat. Ich habe mich vielmehr bezüglich der Stichhaltigkeit der Eisfeldt'schen Vermuthungen jedes eigenen Urtheils enthalten, wie aus dem Wortlaute meiner Aeusserungen darüber klar hervorgeht Es heisst nämlich in meiner Notiz:

„ ... Eisfeldt hat ihn zwar (das Brenzkatechin) im malabrischen Kino aufgefunden. Da aber die Gewinnung dieser Drogue keinenfalls völlig aufgeklärt ist, so war durch den Nachweis desselben in der genannten Drogue sein Vorkommen in der lebenden Stammpflanze keineswegs dargethan. Eisfeldt selbst hat, da er Brenzkatechin im Buteakino nicht auffinden konnte, die Vermuthung ausgesprochen, dass bei der Bereitung des Kino malabricum eine sehr hohe Temperatur angewendet werde; demnach aus seiner Beobachtung nicht auf das Vorkommen des Brenzkatechins in der lebenden Pflanze, sondern vielmehr auf seine Bildung durch Hitze geschlossen.“

Wenn Hr. Flückiger diesen Satz aufmerksam durchliest, so wird er zugeben müssen, dass, wenn man aus ihm über meine Stellung zur Frage überhaupt etwas folgern wollte, es näher liegt, daraus meine <48> Zweifel an der Richtigkeit der von Eisfeldt ausgesprochenen Vermuthungen zu folgern, wie das Gegentheil.

Erlangen, den 28. Januar 1872.


(1) Diese Berichte Jahrg. IV, S. 905.